KI & Digitalisierung
Vibe Engineering: Wie KI die Softwareentwicklung neu definiert und was das für dein Unternehmen bedeutet
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*Diese Grafik wurde teilweise mithilfe von generativer Künstlicher Intelligenz erstellt und anschließend manuell bearbeitet
Vor gut 15 Monaten veröffentlichte Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI und ehemaliger Tesla AI Director, einen Tweet, der die gesamte Branche auf den Kopf stellen sollte: „Es gibt eine neue Art des Programmierens, die ich ‚Vibe Coding‘ nenne: Dabei gibt man sich ganz dem Vibe hin, lässt sich auf Exponentialfunktionen ein und vergisst völlig, dass der Code überhaupt existiert. […]“ Wenige Monate später kürte das Collins Dictionary „Vibe Coding“ zum Wort des Jahres 2025. Suchanfragen zu dem Begriff sprangen laut Exploding Topics um 6.700 % in die Höhe. Und plötzlich diskutierten nicht mehr nur Entwickler über das Thema, sondern CEOs, CTOs und Vorstände.
Doch was steckt wirklich dahinter? Und wo liegt der Unterschied zu dem, was seriöse IT-Dienstleister heute tatsächlich liefern sollten?
🖥️ Vibe Coding, Vibe Engineering, Agentic Engineering: Drei Stufen, keine Synonyme
Vibe Coding in seiner ursprünglichen Form meint: Prompts schreiben, Code akzeptieren, ohne Diffs zu lesen und einfach schauen, was dabei herauskommt. Das funktioniert hervorragend für Prototypen, interne Demos oder Wegwerf-Skripte. Meta-Produktmanager bauen damit laut Business Insider Prototypen in Stunden und präsentieren sie direkt Mark Zuckerberg. Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski nutzt es, um seinen Ingenieuren Konzeptionsarbeit abzunehmen.
Das Problem beginnt, wenn solche Prototypen in Produktion gehen sollen.
Simon Willison, einer der einflussreichsten Software-Analysten der Szene, schlug deshalb den Begriff Vibe Engineering vor: eine Arbeitsweise, bei der KI-Tools intensiv genutzt werden, der menschliche Entwickler aber weiterhin Architekturentscheidungen trifft, Reviews durchführt und die Qualitätssicherung verantwortet. Willison beschreibt es als die ehrliche Mitte: schnell und KI-gestützt, aber nicht blind. 🤝
Karpathy selbst hat im Frühjahr 2026 nachgelegt und spricht nun von Agentic Engineering, dem nächsten Entwicklungsschritt, bei dem spezialisierte KI-Agenten arbeitsteilig planen, coden, testen und iterieren, während der Senior Engineer orchestriert statt tippt. Wer agentic arbeitet, schreibt laut ElevateX noch in 5 bis 15 Prozent der Zeit selbst Code.
⚠️ Was passiert, wenn man Vibe Coding falsch einsetzt
Amazon ordnete 2025 einen 90-tägigen Reset seiner Code-Deployment-Controls an, nach einer Reihe von Vorfällen, die mindestens teilweise mit dem KI-Coding-Assistenten Q zusammenhingen. SVP Dave Treadwell sprach intern von „High Blast Radius Changes“: Softwareupdates, die sich unkontrolliert ausbreiteten, weil Kontrollmechanismen fehlten.
Eine Studie von Gartner warnt: 75 % der Technologieentscheider nennen Governance als primäre Sorge beim Einsatz agentischer KI. 35 % sehen Cybersicherheit als größtes Adoptionshindernis.
⚙️ Vibe Coding ist kein Qualitätsmerkmal. Es ist ein Werkzeug mit klaren Einsatzgrenzen. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie sieht das Ganze aus, wenn man es weiterspinnt? Da kommen wir zu den Begriffen Spec-driven & Eval-driven Development.
📐 Vom Vibe Coding zur Disziplin
Als Gegenbewegung zum unstrukturierten Vibe Coding hat sich seit Anfang 2025 ein neues Paradigma etabliert: Spec-driven Development (SDD).
➡️ Dabei wird eine maschinenlesbare Spezifikation zur Single Source of Truth, und zwar für Code, Tests und Dokumentation gleichermaßen, bevor überhaupt eine Zeile Code entsteht.
Der Thoughtworks Technology Radar hat SDD im November 2025 als eine der wichtigsten neuen Praktiken aufgenommen, und laut heise online lassen sich dabei drei Reifegrade unterscheiden:
Spec-first: Die Spezifikation wird einmalig zu Beginn erstellt.
Spec-anchored: Die Spezifikation wird während des Prozesses weiterentwickelt.
Spec-as-Source: Die Spezifikation wird zum einzigen Artefakt, das Menschen noch bearbeiten.
Parallel dazu setzt sich Eval-driven Development (EDD) durch, ein Ansatz, der dem Prinzip von Test-Driven Development ähnelt, aber auf die Eigenheiten von KI-Systemen zugeschnitten ist. Da KI-generierter Code probabilistisch und nicht deterministisch ist, reicht ein einfaches Pass/Fail nicht mehr aus. Bei EDD wird deshalb zuerst definiert, wie „korrekt“ überhaupt aussieht, inklusive Akzeptanzschwellen, bevor der eigentliche Code entsteht. Erst danach wird gegen diese Bewertungskriterien entwickelt und gemessen.
Für Unternehmen bedeutet das: Vibe Engineering bekommt durch SDD und EDD ein konkretes methodisches Fundament. Statt sich auf das Bauchgefühl eines Entwicklers oder einer KI zu verlassen, entsteht ein nachvollziehbarer Prozess mit klar definierten Spezifikationen und messbaren Erfolgskriterien, genau das, was produktionsreife Software von einem Prototyp unterscheidet.
💡 Was du jetzt daraus mitnehmen solltest
Die Frage ist nicht mehr: „Soll ich KI in der Softwareentwicklung einsetzen?“
Die Frage ist: „Wer stellt sicher, dass es richtig eingesetzt wird, mit der passenden Spezifikation und den richtigen Bewertungskriterien?“
Denn Vibe Engineering auf Produktionsniveau braucht Menschen, die:
Architektur und Systemdesign verstehen
KI-generierten Code reviewen und verantworten können
Spezifikationen so präzise formulieren, dass KI-Agenten daraus verlässlich arbeiten können
Erfolgskriterien definieren, bevor entwickelt wird, statt erst danach zu prüfen, ob etwas funktioniert
Sicherheit, Wartbarkeit und Skalierbarkeit im Blick behalten
die richtigen Tools für den richtigen Kontext wählen
Genau das ist der Anspruch einer erfahrenen IT-Agentur: Nicht blind prompten, sondern Engineering-Kompetenz mit KI-Geschwindigkeit verbinden.
💙 Wir bei Moltomedia begleiten Unternehmen genau an dieser Schnittstelle: Von der ersten digitalen Idee bis zur skalierbaren Lösung im Produktivbetrieb. KI ist dabei Werkzeug, nicht Ersatz für Verantwortung.
Wie setzt dein Unternehmen KI bereits in der Entwicklung ein und wo zieht ihr die Grenze zwischen Experimentieren und Produzieren? Wir sind gespannt auf deine Erfahrungswerte.
🔗 Quellen: Andrej Karpathy, X (ehem. Twitter), Februar 2025 | Collins Dictionary, Word of the Year 2025 | Simon Willison, simonwillison.net, Oktober 2025 & Mai 2026 | MIT Technology Review, „From vibe coding to context engineering“, November 2025 | ElevateX, „Was ist Agentic Engineering?“, Mai 2026 | Gartner, Agentic AI Governance Report, 2025 | Business Insider, Meta Vibe Coding Report, 2025 | Exploding Topics, Search Trend Data, 2025 | heise online, „Fünf Tools für Spec-driven Development im Überblick“, 2026 | Eval-Driven Development 2026
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